Hintergrund, preload

Vor dem Gartenhaus stehen drei Birken, die heißen
Schuld und Sühne, ich weiß, welche die liebste mir ist

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Anderson

Synopsis

Synopsis

Der Schriftsteller Sascha Anderson, in den 1980ern Fixstern und Popstar des kreativen DDR-Undergrounds, wird 1991 als Stasizuträger ersten Ranges enttarnt. Ein Skandal. Vom Nachnamen blieb nur noch das "A", und nicht wenige ergänzten: "rschlosch".

Der Film erzählt vom wildbewegten Doppelleben des Sascha Anderson zwischen Dissidententum und Verrat – und was es bedeutet, mit Lüge, Vertrauensmissbrauch und dem nicht abwaschbaren Stempel des Verräters zu leben. Annekatrin Hendel hat die, die nicht mehr miteinander reden, zum Reden bewegt und sie virtuell wieder an den Tisch gesetzt, an den Anderson seit fast 25 Jahren nicht mehr eingeladen wird. Noch immer ist kein Gras über die Sache gewachsen.

Pressenotiz

Anderson ist der zweite Teil der „Verrats-Trilogie“ von Annekatrin Hendel. Wie zuvor Vaterlandsverräter (Perspektive deutsches Kino 2011, Grimme-Preis 2013) zeichnet auch Anderson ein ungewohnt vielschichtiges Bild von der Situation der Künstler in der DDR, das, 25 Jahre nach dem Mauerfall, einen neuen Blick auf alte, allzu verhärtete Diskussionen wirft.

 

 

 

Credits

Anderson

Trailer

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Anderson

"Anderson" auf DVD

"Anderson" auf DVD

 

 

Filmstill

Anderson ist ab sofort im Handel
und unter www.delicatessen.org erhältlich.

 

Jahr: 2014 · Land: Deutschland · Sprache: deutsche Originalfassung · Untertitel: deutsch · Länge: 91 min · Sound: Dolby Digital 5.1 + 2.0 · Formate: 16:9 Pal · FSK: 0

 

Extras: Kinotrailer, Booklet

 

 

Anderson

Die Protagonist(inn)en

Die Protagonist(inn)en

Sascha AndersonSascha Anderson
Alexander (Sascha) Anderson, 1953 als Sohn einer Architektin und eines Dramaturgen in Weimar geboren, ist ein deutscher Schriftsteller. Von 1969–71 Schriftsetzerlehre in Dresden, 1972–74 Arbeit als Fräser und Hilfskraft in einem Antiquariat. 1974–75 Volontariat bei der DEFA in Babelsberg, 1975–78 Autor an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam. Es folgten Nebenjobs als Nachtpförtner, Gleisbauarbeiter und Hausmeister. Seit 1981 lebte Anderson als freier Autor, Herausgeber und Typograf in Berlin. In den 1980er Jahren galt er als einer der bedeutendsten Protagonisten der alternativen Künstlerszene im Prenzlauer Berg. Er edierte zahlreiche Untergrund-Publikationen, spielte in mehreren Rockgruppen (Zwitschermaschine, Fabrik) und organisierte Lesungen und Ausstellungen. 1986– 95 war er Privatsekretär von A. R. Penck und 1990 Mitbegründer und Anteilseigner des Literaturverlages Druckhaus Galrev. 1996 gründete er gemeinsam mit Bert Papenfuß-Gorek die Reihe Poetische Boegen. Seit 2006 gibt er ebenfalls mit Papenfuß die Lyrikreihe Black Paperhouse heraus. Seit seiner ersten Buchveröffentlichung "Jeder Satellit hat einen Killersatelliten" (1982) erschienen weitere acht Gedichtbände, zwei Theaterstücke und drei Bücher mit Prosa. Zuletzt erschien 2008 der Band "33 Gedichte über Kunst oder Leben". Er verdient sein Geld als Layouter und Texter für Rockbands und lebt seit 1998 in Frankfurt am Main.

 

Ekkehard MaaßEkkehard Maaß
Geboren am 25. Juni 1951 in Naumburg/ Saale. Deutscher Publizist und Übersetzer. Er studierte Theologie und Philosophie und war in der DDR als Sänger von Okudshawa- Liedern bekannt. Nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns organisierte er in seiner Wohnung einen literarischen Salon für junge Autoren und leistete einen wichtigen Beitrag zur Förderung einer Künstlergeneration, die sich zehn Jahre vor dem Ende der DDR von der sozialistischen Ideologie abkoppelte. Seit 1996 leitet er die von ihm gegründete Deutsch-Kaukasische Gesellschaft und unterstützt Flüchtlinge vor allem aus Tschetschenien. 2011 wurde Ekkehard Maaß mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

 

Wilfriede MaaßWilfriede Maaß
Geboren 1951 in Kalten-Nordheim. Machte von 1967–1969 eine Töpferlehre bei Friedemann Löber in Ahrenshoop. 1981–90 Meisterin mit eigener Keramikwerkstatt in Berlin. 1982 Beginn der Zusammenarbeit mit MalerInnen und PlastikerInnen. 1990 Eröffnung der Produzentengalerie Wilfriede Maaß in Berlin. 1998 Umzug nach Schlemmin (Mecklenburg-Vorpommern). 1999 Aufbau der Keramikwerkstatt und Beginn der erneuten Zusammenarbeit mit bildenden Künstlerinnen und Künstlern.

 

Bert Papenfuß-GorekBert Papenfuß-Gorek
Geboren am 11. Januar 1956 in Reuterstadt Stavenhagen. Deutscher Schriftsteller und Spelunkier. Papenfuß erlernte den Beruf des Elektronikfacharbeiters, Ton- und Beleuchtungstechnikers. Nach dem Armeedienst als Bausoldat arbeitete er als Theaterbeleuchter in Schwerin und ab 1976 in Berlin. Seit 1980 ist er freier Schriftsteller. Da seine Publikationsmöglichkeiten in der DDR eingeschränkt wurden, trug er seine Texte in Begleitung verschiedener Rock- und Punkbands vor. Zwischen 1999 und 2008 war er Mitbetreiber der Tanzwirtschaft Kaffee Burger, wo er das Kulturprogramm Salon Brückenkopf koordinierte, arbeitet als Redakteur bei der Zeitschrift GEGNER und betreibt seit 2010 die Kulturspelunke Rumbalotte.

 

Roland JahnRoland Jahn
1953 in Jena geboren, Journalist und seit 2011 Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen (BStU). In der DDR trat er für Menschenrechte ein und geriet damit in Opposition zum SED-Regime. 1983 war er nach einer sechsmonatigen Haft Mitbegründer der oppositionellen Friedensgemeinschaft Jena und wurde noch im gleichen Jahr zwangsausgebürgert. Von West-Berlin aus unterstützte Jahn dann die DDR-Opposition und berichtete in westlichen Medien über die Zustände in der DDR. Die Friedliche Revolution begleitete er mit Fernsehbeiträgen für das ARD-Magazin "Kontraste" über Demonstrationen, Besetzungen der Stasi- Zentralen und den Machterhaltungskampf von SEDFunktionären.

 

Holger KulickHolger Kulick
Geboren 1960 in Korbach, studierte Politik, Geschichte und Kulturwissenschaften in Mainz und Berlin und ist seit Mitte der achtziger Jahre Fernseh-, Online- und Printjournalist. Als TV-Journalist arbeitete er von 1983 bis 2001 vor allem für politische Magazine, Kulturmagazine und Jugendsendungen von ARD und ZDF, u.a. "Kennzeichen D". Anschließend war er Korrespondent für spiegel online in Berlin. Von 2005 bis 2010 war er Redaktionsleiter der Fachwebsite "www.mut-gegen-rechte-gewalt.de" und zeichnete mitverantwortlich für die Monatsschwerpunkte der Web-Rubrik Rechtsextremismus der Bundeszentrale für politische Bildung. Für die bpb produzierte er außerdem die DVD „Feinbilder - Die Videos und Fotos der Stasi“. Seit 2011 ist er Redakteur der Website der Stasi-Unterlagen- Behörde www.bstu.de und gehört zum Vorstand des Bürgerkomitees "15. Januar e.V.", in dessen Aufarbeitungszeitschrift "Horch und Guck" er 1999 die Stasi- Akten Sascha Andersons publizierte.

 

Thomas PlenertThomas Plenert
Thomas Plenert, geboren 1951 in Nauen, studiert zunächst an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg sowie der renommierten Filmhochschule in Lodz, Polen. 1975 traf er dort auf Sascha Anderson. Mit seiner Kameraarbeit bei Dokumentarfilmen wie Jürgen Böttchers „Rangierer“ und "Die Mauer" macht er sich sehr schnell einen Namen als einer der versiertesten Kameramänner des deutschen Kinos. 1988 Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit mit Volker Koepp. Plenert hat seither fast alle Filme Koepps fotografiert und durch seine lyrischen Bilder maßgeblich geprägt. Wenngleich er vor allem durch seine dokumentarischen Arbeiten zu Ruhm gekommen ist, arbeitet Plenert immer wieder auch als Spielfilm-Kameramann.

 

Lars BarthelLars Barthel
Lars Barthel, geboren 1953 in Erfurt, studierte nach Abitur und Armeezeit an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" Potsdam- Babelsberg vier Jahre lang Kamera und war anschließend von 1978 bis 1980 Kamera-Meisterschüler. 1982 verließ er die DDR und ging mit seiner indischen Frau und Tochter nach Indien. Nach einem Jahr kehrten sie zurück, und Lars Barthel arbeitet seitdem in Westberlin als freier Kameramann. Seit seiner Studienzeit galt Barthels Interesse dem Dokumentarfilm und dem dokumentarischen Spielfilm, obwohl er auch zahlreiche fiktionale Filme fotografierte. Arbeiten u.a.: "Flammend’ Herz" (2004), "Texas Kabul" (2004), "Ein Traum in Erdbeerfolie" (2009).

 

Ingrid BahßIngrid Bahß
Jahrgang 1949. In der Altmark, einer Region mit weitem Blick über Äcker und Elbauen, aufgewachsen. Die Flusslandschaft, das Leben der einfachen Menschen auf dem Lande finden ihren Ausdruck in ihren Fotos. Erste Fotoreihen entstanden Anfang der 80ger Jahre. In Magdeburg gründete sie Anfang der 1980 eine Privat- Galerie. 1983 siedelte sie mit ihrer Familie in den Westen nach Köln über, wo sie bis heute lebt.

 

Dietrich BahßDietrich Bahß
1949 geboren und arbeitet seit den 1970er Jahren im Medium der Fotografie (zunächst schwarz-weiß-Fotografien, Fotobücher, 6x6-Kamera- Bilder, heute auch digitale Fotografien und Ausdrucke). Lebensschwerpunkte sind Hoym am Harz, Schulpforta an der Saale, Magdeburg an der Elbe, Köln am Rhein und Werben an der Elbe. Seit 1983 leben Ingrid und Dietrich Bahß in Köln und in der Altmark.

 

Cornelia SchleimeCornelia Schleime
Deutsche Malerin, Performerin, Filmemacherin und Autorin. Sie erhielt seit den frühen 1990er-Jahren mehrere bedeutende Kunstpreise in Deutschland. Im Osten Berlins 1953 geboren, von 1970 bis 1975 Friseurlehre und Maskenbildnerstudium, ab 1975 Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Außerdem Performances und Schmalfilme. 1979 gründete Cornelia Schleime die Punkband "Zwitschermaschine" (mit Sascha Anderson u.a.), in der sie selbst die Vokalistin war. Im September 1984 wechselte sie von Ost- nach West-Berlin. Im Zusammenhang mit der Ausreise verschwand fast das gesamte Früh- Werk. Cornelia Schleime lebt und arbeitet im Prenzlauer Berg und im Landkreis Ostprignitz. Im Februar 2008 veröffentlichte sie den Roman „Weit fort“.

  

Anderson

Die Regisseurin Annekatrin Hendel

Die Regisseurin Annekatrin Hendel

Annekatrin HendelAnnekatrin Hendel (Regie, Buch)
ist in Berlin geboren und aufgewachsen und arbeitete nach Abschluss eines Designstudiums freiberuflich als Kostüm- und Szenenbildnerin. 2004 gründete sie die Filmproduktionsfirma It Works! Medien GmbH und ist hier als Produzentin für Spiel- und Dokumentarfilme, Regisseurin und Geschäftsführerin tätig. Annekatrin Hendel ist Mitglied der Deutschen Filmakademie.

 

 

Filmografie (Auswahl):

2014Anderson · Buch/Regie/Produktion · Kino-Dokumentarfilm (rbb, HR)
2014Am Anfang · Produktion · Kino-Dokumentarfilm (rbb, ARTE)
2013Zonenmädchen · Produktion/ Kino- Dokumentarfilm (rbb, MDR, ARTE)
2012Der Gentlemanboxer Henry Maske · Produktion · Dokumentation (ZDF, ARTE)
2011Vaterlandsverräter · Buch/Regie/Produktion · Kino- Dokumentarfilm · UA: Berlinale 2011, (ZDF-ARTE), Friedenspreis Osnabrück 2011, in der Vorauswahl zum Deutschen Filmpreis 2012, Nominiert zum Deutschen Schnittpreis 2012, Grimme- Preis 2013 u.a.
2011Take A Picture · Produktion · Dokumentarfilm (ZDF, ARTE)
2011Flake · Buch/Regie/Produktion · Dokumentarfilm (ZDF, ARTE) · nominiert für den Grimme-Preis 2012
2011Polly on the rocks · Produktion · Dokumentarfilm (3Sat)
2010Die Fotografin Sibylle Bergemann · Produktion · Dokumentarfilm (ZDF ARTE) · zwei Grimmepreise 2012
2010Mädchen Liebe · Produktion · Dokumentarfilm (ZDFkultur)
2010Liebe Pauline · Produktion · Dokumentarfilm (3Sat)
2008Mit Fantasie gegen den Mangel · Buch/Regie/Produktion(rbb)
2008Umdeinleben · Verleih (ZDF)
2007Allealle · Produktion/Verleih · Kino-Spielfilm · UA: Berlinale 2007, div. Preise, u.a. Studio Babelsberg-Spezialpreis Produktion 2007
2006Made in GDR · Produktion · Kino-Dokumentarfilm (MDR, BR, rbb)
2004Zur Zeit verstorben · Produktion · Kino-Kurzspielfilm 2004, nominiert zum Deutschen Filmpreis 2004, Förderpreis des WDR 2005, 1. Preis beim Festival Goldener Spatz, 2004, 1. Preis beim Dresdner Kurzfilmfestival 2004, Hauptpreis beim Kiev International Film Festival Molodist 2004, Hauptpreis beim International Short Film Festival Berlin 2004, Hauptpreis beim 14. Filmkunstfest Schwerin 2004, Hauptpreis beim 6. Internationalen Festival g-niale Stralsund 2004, Förderpreis der DEFA- Stiftung 2004 u.a.
2000Star im off · Buch/Regie/Produktion · Dokumentarfilm
1999Chiquita for ever · Regie · Kinokurzfilm

  

Anderson

Cast & Crew

Cast & Crew
Buch und Regie   Annekatrin Hendel
Kamera   Frank Griebe
Jule Katinka Cramer
Schnitt   Jörg Hauschild
Ton   Patrick Veigel
Postproduktionskoordination   René Hendel
Produktionsleitung   Kathrin Eckert
Grafik/Titeldesign   Achille Abboud
Sounddesign   Stephan Läufer
Tonmischung   Michael Kaczmarek
Produzentinnen   Maria Wischnewski
Holly Tischmann
Redakteure   Jens Stubenrauch
Esther Schapira

 

Eine Produktion von IT WORKS! Medien in Koproduktion mit Rundfunk Berlin-Brandenburg und Hessischer Rundfunk

gefördert von Medienboard Berlin-Brandenburg, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, Filmförderungsanstalt, Kulturelle Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern und der DEFA-Siftung

 

im Verleih der Edition Salzgeber

  

Anderson

Pressesektion

Pressesektion

 

 

Filmstill"Der Film zeichnet ein vielschichtiges Bild von einer komplexen Person und erzählt dabei von den großen Themen Liebe, Loyalität und Verrat." (Deutschlandradio Kultur)

 

"Annekatrin Hendel schenkt ihrem Protagonisten nichts, sie sitzt über ihn aber auch nicht zu Gericht – hervorragend!"
(Der Tagesspiegel)

Anderson

Sascha "Anderson"

Sascha "Anderson"

FilmstillVor vierzig Jahren brachen Lars Barthel (einer von vier Kameraleuten in und um den Film "Anderson") und ich von Potsdam Babelsberg nach irgendwo hinter Stendal ins Flachland auf. Dort wollte die Wismut AG Erdgas fördern und wir wollten die Arbeiter, die die Bohrtürme dafür hochzogen, auf den Hans-im-Glück befragen. Will heißen: Die Freiheit ihres Lebens "auf Montage" als letzten Schimmer eines glänzenden Batzen Goldes sehen. Ein parabelhaftes Reduktionsmovie. Aber das war damals alles Kunst. Selbst das Kinderlied „Wenn ich ein Vöglein wär". Auch war ich zu jenen Zeiten (von denen in den "Hymnen an die Nacht" gesagt wird, sie seien die Diener der Räume) unglücklich verliebt und hatte also eine überscharfe Vorstellung davon, was Glück ist: Etwas, das einen festhält, weil es fehlt.

So eins war ich damals mit mir, und mir so fremd, wie als würde ich mich in einem Film sehen. Allerdings wusste ich, ebenfalls von Novalis, wann der letzte Morgen sein wird, dann "wenn das Licht nicht mehr die Nacht und die Liebe scheucht". Aber was nützt es mir, da noch nirgendwo geschrieben stand, dass gegen das Licht der Aufklärung nur Selbstklärung hilft.

Fremd bin ich mir selbst. Aber ich habe keine Angst vor dem Fremden. Das "Ich ist ein Anderer" ist mir auch fremd. Ich kann zwar nicht urteilen, aber ich treffe Entscheidungen. Falsche Entscheidungen. Aber nicht zweimal dieselbe. 1 = richtig, 0 = falsch. Es war 0, den Film "Anderson" zu drehen und 1, mich drauf einzulassen. Vor zwanzig Jahren, als der schwedische Freund Björn Cederberg den Film "Verrat" drehte, war es umgekehrt. Ich habe ihn nicht gesehen. Weder diesen noch jene, in denen mir mein sächsisches Syndrom einzureden versucht, es gäbe Wesentlicheres als Kunst. Aber seit die Honorarsklaven der Kunstgeschichte sich vor ihr Publikum stellen und von Freiheit der Kunst, von Kreativität und Individuum reden, ist die Lücke, die fehlende, vergiftet. Ein Unglück. Jenes, an welches ich seit meiner Kindheit geglaubt habe.

Als ich las, dass das Kind eine Vergegenwärtigung des Ideals, nicht des erfüllten, sondern des aufgegebenen ist, entschied ich mich sofort und gegen die Wahrheit, die des schiller’schen Ansatzes, Kind und Kunst in eins zu setzen und den Rest meiner selbst als Verlust zu buchen. Ich weiß natürlich, dass diese Entscheidung nichts mit der Freiheit zu tun hat, die in den Gesetzen steht. Aber bestünde mein Leben allein aus meinen Entscheidungen, wäre ich eine Maschine. Aber ich bin eine Maschine, der erstens (wie allen alten Menschen) ins Gesicht geschrieben steht, um wie viel zu früh oder zu spät ihre Kindheit endete, und aus der zweitens, wenn die Stellvertreter der Meinungsbildung vorn 1 vermatschtes Geschichtsbild reindrehen, hinten null rauskommt.

Andererseits begegne ich in Annekatrin Hendels Film Frauen, die das, was geschehen ist und wie es auf sie wirkte, tatsächlich beschreiben können.

Im Gegensatz dazu glänzen die Ex-Männer als Helden der Arbeit am Epitheton. Schlaft weiter. Ich höre euch schlafen. Ich schlafe nicht. Ich bin kein Schläfer, ich bin der Schlaf. Immer und überall bin ich eingeschlafen. Wenn es lustig, wenn es brenzlig, wenn es hell wurde. Nein: Es war kein Spiel. Schon deshalb, weil ich die Regeln nicht verstehen wollte. Nein: die Sprache der Regeln. Es gibt die Spiele, die allein dazu dienen, die Regeln zu lernen. Und es gibt Spiele, deren Selbstzweck es ist, ihre Regeln zu maskieren. Und auch Reue ist kein Gesellschaftsspiel. Tut mir leid.

 

Sascha Anderson, August 2014

  

Anderson

Annekatrin Hendel im Gespräch mit Knut Elstermann

Annekatrin Hendel im Gespräch mit Knut Elstermann

 

Welchen persönlichen Zugang hatten Sie zu Sascha Anderson?

 

Annekatrin Hendel: Der Zugang war meine beste Freundin, die sich Anfang der 80er Jahre in ihn verliebt hatte. Ich habe sie manchmal begleitet, bin nicht weiter in Erscheinung getreten und habe mir mit großen Augen diesen Menschen angeschaut und zugehört. Der Lyriker Bert Papenfuß sagt im Film, dass damals ständig über Sascha Anderson geredet wurde, dass er alle beschäftigt hat, und so habe ich es auch wahrgenommen. Ich gehörte nicht zur Szene, war eher ein Zaungast. Doch diese Erlebnisse damals in Ost-Berlin, in diesem besonderen Klima, beschäftigen mich bis heute. Davon geht eine andauernde Faszination aus.

 

Wie würden Sie seine damalige Rolle am Prenzlauer Berg beschreiben? Er war doch mehr als einer von vielen Dichtern?

 

Annekatrin Hendel: Er war eine zentrale Figur und galt als Kult-Autor, auch wenn es dieses Wort damals nicht gab. Er war der Spiritus Rector der Szene, die nicht nur aus Dichtern bestand. Auf diesem kleinen, überschaubaren Feld vermischten sich die Künste. Literatur, Film und Malerei verschmolzen zu vielfältigsten subversiven Aktionen. Und da war er eine Leitfigur, die viele zusammengebracht hat. Für mich war er, von heute aus betrachtet, eine sehr moderne Gestalt, eine Art umtriebiger Manager.

 

Obwohl er ein Organisator mit sehr vielfältigen Verbindungen war, sehr viele Leute in der Szene kannte, beschränken Sie sich im Film auf wenige Protagonisten. Warum diese Konzentration?

 

Annekatrin Hendel: Ich habe mit sehr vielen Leuten gesprochen, die alle hochinteressante Geschichten zu erzählen hatten, wie mit dem Kunst-Experten Christoph Tannert oder mit der wunderbaren Lyrikerin Elke Erb, die mit Anderson Mitte der 1980er eine Anthologie junger Schriftsteller aus der DDR im Westen herausgebracht hat, obwohl das eigentlich gar nicht möglich war. Mir tut es sehr leid um all diese Aspekte, aber ich habe mich doch entschlossen, einen überschaubaren Mikrokosmos zu zeigen. Die Welt in der Wohnküche, die ein literarischer Salon war, illegaler Treffpunkt und Diskussionsforum, ein Ort, an dem sich damit auch ein Makrokosmos eröffnet.

 

Diesen Sammelpunkt im Prenzlauer Berg, haben Sie für den Film akribisch nachgebaut. Warum diese perfekte Inszenierung bis hin zu den originalen Kaf feetassen ?

 

Annekatrin Hendel: Die Idee entstand schon früh. Oft schlug mir im Vorfeld von den ehemaligen Mitstreitern Sascha Andersons entgegen: Man darf Sascha Anderson keine Plattform geben. Da wurde ich doch irgendwann bockig und meinte, genau das müsste ich ihm geben, einen "Theater"-Raum. Vielleicht ist es eben erst so möglich, sich anders an die Ereignisse zu erinnern, die mehr als 30 Jahre zurückliegen. Er fand eine simulierte Welt vor, auf die er nicht vorbereitet war, er wusste absolut nichts davon, als wir mit ihm ins Studio fuhren und fühlte sich zu unserer Überraschung schnell wohl in dieser Welt, die nach wie vor existiert, aber die heute nicht mehr die seine ist.

 

Und warum sind Sie nicht mit ihm in die echte Küche gegangen?

 

Annekatrin Hendel: Ich wäre gern mit Sascha Anderson an Orte gegangen, wo er damals gelebt und gearbeitet hat, auch in die Wohnung von Ekkehard Maaß in der Schönfließer Straße im Prenzlauer Berg, die als Treffpunkt oppositioneller Künstler berühmt wurde. Aber Maaß und Anderson sind sich seit vielen Jahren nicht begegnet. Ich wollte nicht Schicksal spielen und eine Konfrontation zwischen den beiden künstlich herbeiführen.

 

Warum haben Sie sich nach Ihrem Film „Vaterlandsverräter“ noch einmal dem Thema Stasi-Mitarbeit zugewandt?

 

Annekatrin Hendel: Die Grundidee war, eine Trilogie zu machen zum Thema Verrat, „Anderson“ ist der zweite Teil, den dritten Teil („Disko“) bereite ich jetzt vor. Sascha Anderson taucht schon im ersten Teil der Trilogie auf, in meinem Film „Vaterlandsverräter“, wenn auch nur sehr kurz. Diesen Film über den Autor Paul Gratzik fand er spannend, weil das jemand war, der aus der Stasi-Mitarbeit ausgestiegen ist. Dafür habe ihm, Sascha Anderson, die Kraft gefehlt. Seine Geschichte ist eben ganz anders und darüber wollte ich im zweiten Teil erzählen. Es geht mir nicht darum, Vorwürfe zu machen oder Rechtfertigungen und Schuldeingeständnisse zu fordern, sondern um das Erzählen dieser Geschichte. Ich bin keine Richterin, sondern Filmemacherin. Ich wollte die Geschichte von ihm hören und von Leuten, die alle eine unterschiedliche Beziehung zu ihm hatten, die alle sehr verschiedene Erfahrungen und Ansichten haben. Dieser Film über Schuld und Sühne soll aber auch die Frage stellen, ob wir heute, nach 25 Jahren, in der Lage sind, darüber miteinander zu sprechen. Ich wollte wissen, wo wir heute stehen.

 

Anderson spricht im Film auch davon, dass er sich der Konsequenzen seines Handelns durchaus bewusst war, dass es der Stasi darum ging, Oppositionelle zu kriminalisieren, um zugreifen zu können...

 

Annekatrin Hendel: Ich finde es mutig, dass er das so eindeutig sagt. Welcher ehemalige IM gibt denn zu, dass ihm das bewusst war? Ich frage ihn ja auch nach dem Druck, der da von der Stasi eventuell auf ihn ausgeübt wurde. Obwohl es den eindeutig gab, wie ich den Stasiakten entnehmen konnte, entschuldigt er sich nicht damit. Er versucht nicht, sich reinzuwaschen. Ja, er erzählt uns seine schuldhafte Geschichte. Ich wollte erfahren, wie er das heute sieht.

 

Sein heutiges Privatleben wird im Film nur angedeutet, obwohl doch bekannt ist, dass er mit Martin Walsers Tochter, Alissa Walser, verheiratet ist. Warum spricht er darüber nicht?

 

Annekatrin Hendel: Er sagt doch klar, dass es da Grenzen gibt. Ich will das nicht interpretieren, aber ich habe das akzeptiert. Gerade aus seiner Geschichte heraus, gerade weil er früher alle in seine eigenen Ambitionen hineingerissen hat, ist es interessant, dass er das heute nicht mehr will.

 

Wie haben die Leute aus seinem früheren Umfeld auf dieses Projekt reagiert?

 

Annekatrin Hendel: Am Anfang wollte niemand aus seinem engeren Umfeld mitmachen, es hat lange gebraucht. Das ist ja auch Teil des Films, wie man an der Malerin Cornelia Schleime sieht, die kein Gespräch vor der Kamera wollte, sich aber künstlerisch mit ihrer eigenen Bespitzelung auseinandersetzt. Viele Men schen machen sich heute noch Gedanken über das Phänomen Anderson, er taucht in zahllosen Publikationen auf, aber es gibt wenig Dokumentararbeiten über ihn. Das war eben mein Antrieb. Anderson ist Teil unserer Geschichte, aus der man ihn nicht entfernen kann, auch wenn man die Erinnerung als schmerzhaft empfindet. Aber das Thema Verrat existiert, seit es Menschen gibt. Warum funktioniert Shakespeare für uns heute noch? So ist die Wirklichkeit nun einmal. Es ist ein Film über gelebtes Leben.

 

Knut Elstermann, Januar 2014

  

Anderson

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